Schachclub - Iffezheim e. V.
Saisonrückblick Iffezheim I
2010-05-26 11:36 von Christian Dettweiler (0 Kommentare)
Neun Nichtabsteiger in der Einzelkritik
Eine seltsame Spielzeit war das. In der Verbandsliga Süd, wo sogar schon einmal ein positives Ergebnis nach neun Runden nicht zum Klassenerhalt gereicht hat, genügte Iffezheim I im Grunde genommen ein einziger Sieg zum Nichtabstieg. Und der fand bereits am ersten Spieltag gegen Donaueschingen statt (6,5:1,5). Die übrigen sechs Zähler des SCI resultierten aus einem Horbener Nichtantreten und dem Rückzug von Freiburg-Wiehre. Zudem profitierten wir natürlich von der ungewöhnlich günstigen Konstellation in den oberen Ligen.
War das Ganze nun ein echter Erfolg? Ich meine ja – immerhin stellt Iffezheim I den letzten mittelbadischen Verbandsligaaufsteiger seit 1988, der die Klasse gehalten hat (aufgerüstete Ooser Teams ausgenommen). Alle anderen mittelbadischen Landesligameister stiegen sofort im ersten Jahr wieder ab.
Dass Iffezheim I 2009/10 für seine Verhältnisse Großes geleistet hat, zeigen auch die vier hauchdünnen und teilweise unglücklichen 3,5:4,5-Niederlagen gegen die nominell hoch überlegenen Teams von Meister Dreisamtal, aus Kuppenheim, Dreiländereck und Lahr. Eine richtige Klatsche gab es nur gegen Vizemeister Brombach. Auch die bei vielen Spielern in die Höhe geschossenen Wertungszahlen zeigen, dass der SCI aus seiner Außenseiterrolle richtig etwas gemacht hat – sieben der neun eingesetzten Spieler erreichten eine Performance zwischen 2000 und 2200 DWZ. Der Schnitt der Stamm-Acht lag nach der Auswertung der Verbandsliga bei fast 2000 DWZ. Und somit darf Iffezheim I irgendwie auch nicht unverdient noch ein weiteres Jahr Verbandsliga spielen.
Neben der Platzierung auf Rang 8 in der Abschlusstabelle war als zweites Plus zu vermerken, dass bei Iffezheim I wieder einmal die Spielmoral stimmte. Nur zweimal musste mit Gerald Kramer Ersatz aus der Reserve geholt werden, als Bernd Geiger gegen Brombach und Lahr fehlte. Werfen wir einen Blick auf die Leistungen der einzelnen Akteure:
Mannschaftskapitän Markus Merkel (Brett 1) zeigte mit einer Performance von 2188 DWZ einmal mehr die stärkste Leistung aller Iffzer und bestätigte erneut, dass er zu Recht die Nummer 1 im Verein ist. Bedenkt man, dass sechs seiner sieben Kontrahenten Titelträger waren und sein Gegnerschnitt über 2300 DWZ lag, sind seine 2,5/7 aller Ehren wert. Und es war ja sogar noch etwas mehr drin, einige Rechenfehler (Oberwinden, Dreisamtal) brachten Markus um ein noch besseres Resultat. Dennoch blieb ein DWZ-Gewinn von +11 (neu: 2138).
Zu Beginn der Spielzeit legte Ramadan Raka an Brett 2 los wie die Feuerwehr. Zwei Siege gegen die starken Christian Ketterer und insbesondere IM Ali Habibi deuteten auf eine wieder einmal große Saison unserer Nr. 2 hin. Doch mit einer mehr als unglücklichen Niederlage gegen IM Partos aus Dreiländereck (Ramadan verpasste ein Matt) war es vorbei. Danach kassierte er durchweg, teilweise weitere unglückliche Nullen. Trotz alledem gab es nach einem DWZ-Absturz in den Pokalwettbewerben durch die Liga ein Plus von 2 DWZ (neue Wertungszahl: 2087). Auch hier sei auf den Gegnerschnitt von 2255 DWZ und die Tatsache, dass ihm insgesamt fünf Titelträger gegenübersaßen, verwiesen. So gesehen war die Saison besser als es die 2/7 auf den ersten Blick aussagen.
Einen Zähler mehr als Ramadan holte Jörg Eiler (Brett 3) mit 3/7. Zwar musste er bis zum letzten Spieltag gegen Max Scherer (Dreisamtal) auf einen Sieg warten, doch auch die vorherigen Remisen gegen insbesondere Oberwinden und Kuppenheim waren nicht von schlechten Eltern. Sein Gegnerschnitt lag bei 2148 DWZ. Kurzum: Eine sehr gute Saison von Jörg, durch die er wieder Platz 2 der DWZ-Rangliste eroberte (neue DWZ: 2091).
Lange Jahre war Brett 4 die traditionelle Iffezheimer Strafbank. Jeder, der dort saß, bezog Prügel und verlor kräftig Wertungspunkte, ob er nun Rückleben, Manz, Hauns, Dettweiler oder Ast hieß. Dieses Dilemma ist seit der Vorsaison dank Colin Kramers großem Leistungssprung behoben. Auch in diesem Jahr erreichte er 50% (3,5/7), und das gegen einen Gegnerschnitt von über 2075. Hervorzuheben sind seine Punkteteilungen gegen die starken Schachfreunde Tammert und Gierth. Zwar bleibt Colin in dieser Liga als U-2000er am vierten Brett ein absoluter Exot, doch allzu lange dürfte es nicht mehr dauern, bis Iffezheim endlich den vierten Spieler in seinen Reihen hat, der die 2000er DWZ-Grenze knackt. Colin war ohne Zweifel mit eine der positivsten Erscheinungen in dieser Spielzeit, was sich in 29 DWZ-Punkten Zuwachs (neu: 1980) niederschlug.
Den sicherlich größten Gewinn der abgelaufenen Spielzeit gegenüber den Vorjahren stellte sicherlich unser Neuzugang Bernd-Torsten Geiger (Brett 5) dar. Zusammen mit Colin hat er endlich die große Lücke zwischen den Brettern 1-3 und dem Rest des Vereins zumindest deutlich verkleinern können. Sportlich haben wir mit ihm jemanden, der auch gut gegen einen 2100er mithalten kann, zudem ist der Druck auf die folgenden Spieler der Rangliste geringer. In seinem ersten Jahr merkte man ihm noch die fehlende Spielpraxis an, eineinhalb Zähler mehr hätten es sein müssen (Kuppenheim, Oberwinden, Dreisamtal). So standen am Schluss nur 2/5 zu Buche, womit Bernd knapp unter seiner Gewinnerwartung blieb (-5 auf 1974 DWZ). Ein großer Dank gebührt unserem Wahl-Züricher für seine Spielmoral – war er doch eigentlich nur für Auswärtsspiele im tiefsten Südbaden vorgesehen.
Noch weiter als Bernd muss Harald Bernrader-Hauns (Bretter 5 und 6) anreisen – gleich acht Male diese Spielzeit aus München. Acht Male? Richtig – die Horbener Absage erreichte Harry erst im Zug nach Baden-Baden. Auch dieser Einsatz und diese Identifikation mit dem Team sind gar nicht hoch genug einzuschätzen. Harry holte 3,5/7 gegen einen Gegnerschnitt von 2023 DWZ. Damit macht er einen Sprung um 39 Wertungspunkte auf neue 1871 und erreichte die größte Verbesserung eines Iffezheimers in der Verbandsliga. Seine stärkste Leistung zeigte er in Oberwinden, wo er trotz verlorenem Mannschaftskampf – typisch Harald – gegen einen 250 Punkte stärkeren Gegner unverdrossen eine ausgeglichene Stellung zum Gewinn knetete.
Der letzte Stammspieler mit einem Gegnerschnitt über 2000 war der Berichterstatter – jaja, die Liga war nicht ohne diese Saison. Ziemlich „ohne“ blieb hingegen Christian Dettweiler (Bretter 6 und 7), nämlich ohne Einzelsieg. Dabei waren etliche möglich – mal wieder (insbesondere Dreiländereck, Kuppenheim, Lahr). Immerhin folgen auf 0/3 zu Beginn vier Remisen gegen stärkere Gegnerschaft und damit noch 2/7. Dass auf den Brettern mehr als doppelt so viele Punkte standen um dann liegen zu bleiben, kennt man ja von mir. Bislang nur nicht aus der Verbandsliga, wo es ja zwei Male sehr erfolgreich war. Das Ganze kostete 18 DWZ auf nunmehr 1891.
Seine erfolgreichste Saison unter Iffezheimer Farben spielte Bernhard Ast mit ungeschlagenen 5,5/7 am siebten und achten Brett. Natürlich war auch ein wenig Dusel dabei (insbesondere in Oberwinden beim „Wunder von Bernhard“), doch Glück hat bekanntlich nur der Tüchtige. Seit Bernhard seine Eröffnungen etwas weniger „kreativ“ anlegt, geht es bergauf. Schließlich zeigt die Formkurve nicht nur in der Verbandsrunde steil nach oben: Innerhalb eines Jahres arbeitete er sich in Turnieren, Einzel- und Mannschaftspokal sowie der Liga sage und schreibe 99 DWZ auf neue 1956 nach vorne. Seine Performance von 2135 in der Verbandsliga machte dabei 34 Zähler aus. Solche Sprünge kennt man eigentlich nur von Jugendlichen dank Faktor. Hoffen wir, dass der zweite Frühling unseres BTL weiter anhält!
Wie schon gesagt musste Iffezheim I nur zweimal auf unseren Edelreservisten Gerald Kramer (Brett 8 gegen Brombach und Lahr) zurückgreifen. Während er gegen die Mannschaft vom Hochrhein chancenlos war, zeigte er gegen den starken Olivier Wimmer aus Lahr, dass man sich jederzeit auf unseren Stammesältesten verlassen kann. 50% gegen einen Schnitt von über 2080 (1/2) sind nicht die schlechteste Visitenkarte und brachten einen DWZ-Zuwachs von 17 Zählern auf 1865, der leider anschließend mit der Bezirksliga nach unten verrechnet wurde.
All dies macht unter dem Strich die beste Saison, die Iffezheimer Mannschaften je gespielt haben. Ansonsten haben wir ein paar nette neue Mannschaften kennen gelernt (insbesondere Donaueschingen und Brombach) und gute alte Bekanntschaften wieder aufgefrischt. Trotz aller Reisestrapazen – das war es wieder einmal wert. Wir hoffen, dass wir als gute Gastgeber und gute Gäste (nicht nur wegen der Punktgeschenke…) in Erinnerung bleiben – bei aller sportlichen Anspannung und daraus resultierenden einen oder anderen Unstimmigkeit (in diesem Sinne herzliche und ehrlich gemeinte Grüße an Peter Meyer aus Oberwinden und Jogi von der Rochade)!
Im kommenden Jahr hat die Verbandsliga ein völlig neues Gesicht. Die Liga verlassen haben Dreisamtal und Brombach (viel Glück in der Oberliga!) sowie Donaueschingen, denen wir eine schnelle Rückkehr wünschen, sowie Freiburg-Wiehre. Aus der Oberliga stieg Freiburg-Zähringen I ab, die Aufsteiger aus den Landesligen heißen OSG Baden-Baden IV, Gottmadingen und Freiburg-Zähringen II.
Noch ein paar kritische Worte zum Abschluss:
Auch 2009/10 wurden elf Mannschaftskämpfe in der Verbandsliga Süd kampflos entschieden. Neun davon gingen auf das Konto von Freiburg-Wiehre. Diese Unsportlichkeit gegenüber insbesondere dem SK Engen, der die Klasse bei einem rechtzeitigen Rückzug gehalten hätte, gehört eigentlich drastisch bestraft, aber (auch) hier bleibt der BSV wohl ein zahnloser Papiertiger. Denn ein Blick auf die Rangliste hat schon vor der Spielzeit deutlich gemacht, dass Wiehre sein Spielrecht nicht wahrzunehmen gedenkt.
Fast 100 Einzelpartien endeten kampflos (genau: 96, das sind 27% aller Partien!) – auch das ist wahrlich kein Ruhmesblatt für eine vierthöchste Spielklasse. Und letztlich habe ich auch wenig Verständnis dafür, wenn Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, in den Abstiegskampf eingreifen, indem sie gegen den manche Konkurrenten im Schnitt 200 DWZ schwächer aufstellen als gegen andere.
In diesem Sinne wünschen wir uns eine sportliche Spielzeit 2010/11!
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