Schachclub - Iffezheim e. V.
Nachwuchs mit ersten Wertungszahlen
2010-05-24 17:40 von Christian Dettweiler (0 Kommentare)
von Colin Kramer
Nun sind sie da. Sehnsüchtigst erwartet. Die ersten DWZ-Zahlen für unseren Schachnachwuchs.
Mit Stand vom 11.5.2010 haben Johanna und Jonathan Clancy, sowie Janik Zoller ihre ersten offiziellen Wertungszahlen erhalten. Und das soll genutzt werden, um die Saison der vierten Mannschaft noch einmal im Ganzen zu betrachten.
Mit einem Altersdurchschnitt von noch nicht einmal 11 Jahren wurde zu Beginn dieser Spielzeit eine völlig neue Jugendmannschaft aufgestellt, um in der Kreisklasse IV die erste Erfahrung zu sammeln. Neu war dabei nicht nur die längere Bedenkzeit, sondern auch die Notationspflicht. Darum wurde auch vor dem ersten Saisonspiel zunächst eine Übungsstunde zur Notation vorgenommen. Dennoch kam es vor, dass dann beim ersten Einsatz nur die eigenen Züge aufgeschrieben wurden, was die Rekonstruktion der Partie zu Trainingszwecken natürlich wesentlich erschwerte.
Spielerisch zeigten die kleinen Renndörfler aber immer wieder, dass ihre Nominierung mehr als gerechtfertigt war. Die vierte Mannschaft schloss die Saison auf einem sehr ordentlichen vierten Platz bei neun Mannschaften ab, wobei mit etwas Glück sogar ein Aufstiegsplatz drin gewesen wäre.
Die 10-jährige Johanna Clancy, die letztes Jahr mittelbadische Jugendeinzelmeisterin der U10 geworden war, zeigte, dass sie nicht umsonst an Brett 1 spielte, auch wenn die Punktausbeute mit 2 aus 8 etwas niedriger ausfiel als gehofft. In jedem Saisonspiel gelang es Johanna, gut oder sogar besser als der Gegner aus der Eröffnung zu kommen. Ihr Spiel ist übersichtlich und geprägt von viel Verständnis für das Schachspiel. Vorhandene taktische Finesse und ein gutes Rechenvermögen sollten normalerweise ihr übriges tun. Bei oft hochkomplexen Stellungen mit vielerlei Möglichkeiten passiert es aber auch den Besten, dass man den falschen Zug ausführt oder die Partie schlichtweg zu kompliziert wird, um alles berechnen zu können. Und so war es leider bei allen fünf Niederlagen, denn nie stand Johanna wirklich schlechter, meistens sorgte gerade mal ein falscher Zug für ein jähes Ende. Allzu oft lastete auch der gesamte Druck auf Johanna, denn für gewöhnliche dauerten ihre Partien am längsten und häufig hing es mit von ihr ab, wie die Mannschaft letztlich abschneiden würde. Durch die Auswertung der U14 und U16-Mannschaftsmeisterschaften kommt Johanna nach der ersten Saison auf 814 DWZ. Welches Potential in ihr schlummert bewies sie aber beispielsweise durch ihren grandiosen Sieg in der U16 gegen einen Gegner mit über 1300 DWZ! Um die weitere positive Entwicklung braucht man sich wirklich keine Sorgen zu machen.
Ihr zwei Jahre älterer Bruder Jonathan Clancy verpasste nur knapp den Platz als Topscorer der Kreisklasse IV. 6,5 Punkte aus 8 Partien an Brett 2 sprechen eine deutliche Sprache. Die unglückliche Niederlage gegen Ottenau in deutlich besserer Stellung versaute ihm leider seine Bilanz ein klein wenig. Jonathan ist vermutlich die Überraschung der Saison. Ließ er sich letztes Jahr noch von allerlei Kleinigkeiten ablenken, was seinen Trainer manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte, so war er in dieser Spielzeit kaum aus der Ruhe oder der Konzentration zu bringen. Sein ständig wachsendes Interesse für neue Eröffnungen und das Verlangen nach immer neuen und schwereren Aufgaben im Training freitags abends ist bemerkenswert. Seine Gegnerschaft in dieser Saison spielte zwar alles andere als glorreich, dafür aber nutzte Jonathan dies umso gnadenloser aus. Zwei Partien, in denen er jeweils nach nicht einmal 15 Zügen Turm und Figur mehr hatte, sollten als Beleg genügen. In dieser Saison stellte sich Jonathan eindeutig als Stütze der Mannschaft heraus. Das alles wurde mit starken 936 DWZ belohnt, die er sich zusätzlich zu U14 und U16 auch beim Faschingsturnier in Baden-Baden erspielte. Sein ganz klares Ziel für die nächste Saison wird sein, die 1000 DWZ zu knacken. Spielt er nur annähernd so konzentriert wie in dieser Spielzeit, so sollte sich das als eindeutig machbar herausstellen.
Janik Zoller, der im Laufe der Saison 11 Jahre alt wurde, schaffte nicht minder gute 4,5 aus 6. Leider wurde das aufgrund des schlechten DWZ-Schnitts seiner Gegner an Brett 3 nicht wirklich belohnt, so dass er sich zunächst mit 769 DWZ begnügen muss. Wer hätte gedacht, dass es Gegner mit einer Wertungszahl von unter 400 gibt? Janik ist eindeutig der Kämpfer der vierten Mannschaft. Ein „Achterbahn-der-Gefühle“-Fan. Hier oder da mal eine Figur zu verlieren bedeutet bei Janik nun wirklich nichts. Und daran musste sich sein Trainer auch langsam gewöhnen. „Janik hat wieder eine Figur weniger? Solange noch andere Figuren auf dem Brett sind, ist das kein Grund zur Sorge“. Sein ganzes Potential schöpfte er meistens dann aus, wenn alle schon dachten, dass der Tag für ihn gelaufen sei. Sein äußerst offensives Spiel führte nicht selten dazu, dass er genügend Kompensation für Minusbauern oder sogar Figuren hatte. Und sein bemerkenswertes Gespür für taktische Einschläge sorgte dann oft genug dafür, eine theoretisch verlorene Stellung nochmal rumzureißen. Wenn Janik es schaffte, sein ganzes Können von Beginn der Partie an zu nutzen, so könnte er in der nächsten Saison für seine Gegner eine schier unüberwindliche Barriere sein. Schade nur, dass er es leider nicht mehr so regelmäßig zum Jugendtraining schafft.
Etwas enttäuscht dürfte sicherlich der 11-jährige Stefan Schwarzkopf sein. Aus diversen Gründen, z.B. kampflosen Siegen an Brett 4, brachte er es auf nur vier Saisonspiele. Dies hat zur Folge, dass er noch keine Wertungszahl bekommen hat. Zu selten zeigte er, warum er in der vierten Mannschaft spielte. Oftmals zu schnell, manchmal unkonzentriert…das wird sogar in der untersten Klasse oft erbarmungslos ausgenutzt. Einmal jedoch zeigte Stefan, was wirklich in ihm steckt. Seine Partie gegen Baden-Oos war sicherlich eine der schönsten und bestgespielten Partien der vierten Mannschaft dieser Saison. Taktik pur war das, durch eine mehrzügige Kombination die Dame gewonnen, nachdem der König in der Mitte gehalten und die Entwicklung seines Gegners völlig zum Erliegen gebracht worden war. Da hatte Stefan alles ausgepackt, was man ihm beigebracht hatte. Bleibt zu hoffen und ihm zu wünschen, dass er öfter solche Spiele zeigt, damit er mehr Punkte schafft, als die 1 aus 4 in dieser Spielzeit.
Bleibt noch der allzeit bereite 10-jährige Ersatzmann Ingmar Wolf zu nennen. Immer bereit zu spielen, immer daran interessiert Mattaufgaben zu lösen, bietet sich Ingmar ebenfalls als Spieler der vierten Mannschaft an. Die vierte Mannschaft darf sich zunächst bei ihm bedanken, dass er zweimal in dieser Saison kurzfristig einsprang, als Not am Mann war. Die 0 aus 2 spiegeln nicht das wieder, was er eigentlich spielen kann. Man muss aber auch sagen, dass er an Brett 4 gegen einen Gegnerschnitt von knapp 900 DWZ spielte! Erfreulich ist, dass er seine Nervosität schnell ablegte. Für ihn gilt das Gleiche, wie für alle anderen auch zu Beginn der Saison: nicht so schnell spielen und mehr nachdenken. Aber das kommt mit mehr Spielerfahrung von ganz allein.
Bleibt zu hoffen, dass die Truppe nächste Saison auch wieder so oder noch besser spielt, und hoffentlich so zusammenbleibt. Denn ein lustiger und talentierter Haufen ist die vierte Mannschaft auf jeden Fall.
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